Unterstützung lokaler Friedenssicherung am Beispiel UNAMID (United Nations African Union Mission in Darfur)
Polizeioberkommissar Jann Quanz, Ausbilder am Kofi-Annan International Peace Keeping Training Centre (KAIPTC) in Accra/Ghana, berichtete über seine persönlichen Erfahrungen als Ausbilder für Polizeikräfte für die westsudanesische Provinz Darfur. „Sicherheit durch Vertrauen erstellen ist Grundlage der Ausbildung für den erfolgreichen Einsatz von Polizistinnen und Polizisten in Darfur. Nicht alle Flüchtlingslager sind für UNAMID-Polizisten zugänglich, da jede Art von uniformierten Personen noch immer mit Leid in Verbindung gebracht wird und Misstrauen erweckt. Mit Hilfe von Dolmetschern ist es daher ratsam, anfangs z.B. Kontakt mit den Lagerältesten oder sogenannten Clan-Chefs aufzunehmen, um für die Glaubwürdigkeit der Polizisten mit der blauen UNO-Flagge und der blauen Armbinde an den Uniformen zu werben, Überzeugungsarbeit zu leisten und geltende Menschenrechte für Sicherheit und Schutz durchzusetzen.“
Die UNAMID-Polizeikräfte werden von erfahrenen Polizeitrainern theoretisch und praktisch darauf vorbereitet, in erster Linie das Vertrauen der Bewohner zu erlangen, um dann mit ihnen gemeinsam die Sicherheitslage zu verbessern. Seit Anfang des Projektes in 2008 konnte inzwischen dazu übergegangen werden, mehr und mehr afrikanische Polizeikräfte einzusetzen, um die Aufgaben der Friedenskonsolidierung zu organisieren. Angesichts enormer kultureller Unterschiede der mehr als 2.000 unterschiedlichen Sprachen, der Komplexität diverser Interessen und dem Aufbau der für Europäer komplett anders strukturierten Hierarchie ist es doch gelungen, weitgehend Übereinstimmung zwischen Experten, Militärbeobachtern, Verbindungsoffizieren für die wichtige gemeinsame Friedensmission zu erzielen und dadurch die Effektivität der Ausbildung und stärkere Einbeziehung lokaler Kräfte ständig zu verbessern. Die standardisierten Trainingsmethoden der Vereinten Nationen enthalten theoretische und praktische Elemente sowie medizinische Grundkenntnisse, Schutz von Frauen, Rollenspiele, Übungsszenarien, Fahrtraining, das Verhalten in verschiedenen Problemsituationen bei Überfällen, Straßensperren und Stresstraining. Sämtliche in den Kursen erworbenen Kenntnisse werden evaluiert.
Anhand eindrucksvoller Statistik belegte Quanz die vom Auswärtigen Amt in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium geförderten Projekte und die daraus resultierende Verbesserung der humanitären Lage in den betroffenen Regionen. Eine Teilnahme am Kofi Annan International Peacekeeping Training Center gehört inzwischen zu den begehrtesten anerkannten Ausbildungskursen überhaupt.
Die Veranstaltung in Giessen wurde von dem Landesverband Hessen der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen (DGVN) gemeinsam im Rahmen der Vortragsreihe Forum Juris Internationalis, Fachbereich Rechtswissenschaft, Franz von Liszt-Institut auf dem Campus Recht und Wirtschaft der Justus-Liebig-Universität Giessen durchgeführt.